Traditionelle Industriezweige im Fernen Osten Russlands

Zu den traditionellen Wirtschaftsbereichen im Fernen Osten Russlands gehören Bergbau, Fischindustrie, Forstwirtschaft, Hüttenindustrie, Energiewirtschaft und Schiffbau. Die Entwicklung dieser Industriezweige wurde durch eine günstige geographische Lage sowie durch das Vorhandensein reicher Naturressourcen begünstigt.

Die Entwicklung der jeweiligen Industriezweige im Fernen Osten Russlands ist eng mit dem Vorhandensein reicher Naturressourcen in dieser Region verbunden. Traditionell sind im Föderationskreis Ferner Osten Bergbau, Fischindustrie, Forstwirtschaft, Hüttenindustrie, Energiewirtschaft und Schiffbau vertreten. Hier fördert man Diamanten, Edel- und Buntmetalle. Den Föderationskreis Ferner Osten umspülen sechs Meere (Laptewsee, Ostsibirische See, Tschuktschensee, Beringsee, Ochotskisches Meer), so dass in den meisten Regionen des Föderationskreises die Fischindustrie gut entwickelt ist, und der Zugang zum Pazifischen und zum Arktischen Ozean trägt zur Entwicklung des Schiffbaus bei. Reiche Waldressourcen dieses Föderationskreises fördern die holzverarbeitende Industrie insbesondere und in den Regionen Primorje, Chabarowsk, Amur. Die traditionellen Beschäftigungen von Bewohnern des Fernen Ostens sind auch Rentierzucht, Jagd und Pelztierhaltung. Erwartungsgemäß leistet der Bergbau den größten Beitrag zum Bruttoregionalprodukt.

Struktur des Bruttoregionalproduktes des Föderationskreises Ferner Osten nach Tätigkeitsarten, Jahr 2013, in Prozent (%)

Republik Sacha (Jakutien)

Jakutien ist berühmtfür Diamantenfelder mit über 80% aller Diamantenvorräte von Russland, deswegen bildet die Bergbauindustrie mit einem 40-prozentigen Anteil am Bruttoregionalprodukt der Republik die Wirtschaftsgrundlage dieser Region. Hier befinden sich große Vorkommen von Antimon (der Vorratsanteil am Mineralrohstoffpotenzial des Landes beträgt 82%), Uran (61%), Stein- und Braunkohle (40%), Zinn (28%), Quecksilber (8%) und Eisenerzen (6,2%). Das Vorhandensein von Naturressourcen auf dem Territorium von Jakutien förderte die Gründung großer Unternehmen wie das weltweit führende Unternehmen der Diamantenindustrie "Alrosa", das Kohleunternehmen "Jakutugol", das einen erheblichen Teil seiner Erzeugnisse nach Japan, Südkorea, China und in die anderen Länder des asiatisch-pazifischen Raumes exportiert.

Unter anderen bedeutenden Wirtschaftsbereichen Jakutiens ist die Energiewirtschaft zu nennen. Die offene Aktiengesellschaft ОАО АК Yakutskenergo nimmt einen der führenden Plätze in der Aktiengesellschaft UES ("Vereinigtes Energiesystem Russlands") in der Versorgungsregion ein. Und das ist nicht verwunderlich, da Jakutien das größte Föderationssubjekt Russlands ist. Die Stromnetzlänge des Unternehmens entspricht der Hälfte der Äquatorlänge. Die Energiewirtschaft in der Region beruht auf Wasserenergie (Wasserkraftwerk von Wiljui) und Gasenergie (Wärmekraftwerk und Heizkraftwerk von Jakutsk).

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Jakutien, in Prozent (%)


Region Kamtschatka

Traditionell ist für die Region Kamtschatka die Nahrungsmittelindustrie. Dank der Nähe zur Beringsee und zum Ochotskischen Meer übte man hier die Fischerei noch in der Steinzeit aus. Heutzutage ist die Fischerei und die Verarbeitung von Meeresressourcen in der Region ein integraler Bestandteil der Fischindustrie von Russland (der Anteil der Region Kamtschatka macht ca. ein Fünftel der Fischanlandung im Land aus). Auf regionaler Ebene ist die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges am Beispiel des Bruttoregionalproduktes der Region Kamtschatka sichtbar: Der jeweilige Anteil der Fischerei und Fischzucht beträgt über 10%. Die Region beliefert mit Fisch nicht nur sich selbst, sondern auch den europäischen Teil Russlands sowie exportiert die Produktion in die Länder des asiatisch-pazifischen Raumes.

In der Region Kamtschatka befinden sich Vorkommen von Gold, Silber, Nickel, Kupfer, Kobalt, Quecksilber, Eisen, Titan, Vanadium, Stein- und Braunkohle, Torf, Schwefel, Obsidian, Perlit, zeolitisierten Tuffen, Erdgas und Gaskondensat, Thermalwasser. Die Region Kamtschatka ist ein Gebiet mit einzigartigen Freizeitressourcen. Besondere Aufmerksamkeit von Touristen und Besuchern erregen solche bekannten natürlichen Sehenswürdigkeiten wie das Geysirfeld "DolinaGeiserow" im Naturpark "Vulkane Kamtschatkas", dessen Cluster in die Liste der UNESCO-Welterbe-Stätten aufgenommen sind. Bemerkenswert ist, dass über ein Zehntel der Regionsoberfläche Schutzgebiete bilden, so dass die Entwicklung verschiedenartiger Angebote von Öko- und Abenteuertourismus ermöglicht wird.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Region Kamtschatka, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Region Primorje

Die Region Primorje wie auch die Region Kamtschatka ist dank unmittelbarer Nähe zum Japanischen Meer reich an biologischen Meeresressourcen. Der Fisch- und Meeresfrüchtenfang in der Region sowie die Fischlebensmittelproduktion betragen über 20% des gesamten Volumens dieser Wirtschaftszweige in Russland, so dass diese Region eine Schlüsselrolle in der Fischereiindustrie nicht nur im Föderationskreis Ferner Osten, sondern auch im ganzen Land spielt. Neben der Fischindustrie ist hier die Nahrungsmittelindustrie (Herstellung von Alkoholgetränken, Mineralwasser und Zucker) vertreten: In der Region befindet sich die in Ostsibirien und im Fernen Osten einzige Zuckerfabrik ОАОPrimorski Zucker. Dank dem Vorhandensein der Vorkommen von Zinn und Polymetallen sind hier der Bergbau, die Hüttenindustrie und der Maschinenbau entwickelt. In der Region sind die Gewinnungsunternehmen für Blei-Zink-Erze (die offene Aktiengesellschaft ОАО Dalpolimetall), für Wolframerz, Unternehmen für Erschließung von Flussspatvorkommen tätig. Hier befindet sich auch ist der einzige Hersteller borhaltiger Produkte in Russland (Aktiengesellschaft АО Bor).

Ca. ein Zehntel der Industrieproduktion in der Region fällt auf Maschinenbau und Metallverarbeitung (Schiffbau, Schiffsreparatur, Flugzeugbau, Gerätebau). In der Regionen Primorje sind große russische Unternehmen (die offenen Aktiengesellschaften OAO Rosneft, ОАО Transneft, OAO Gazprom) sowie über zweitausend ausländische Organisationen und Organisationen mit ausländischer Beteiligung tätig. Zu den gemeinsamen Projekten gehören Werke für Veredelungsmaterialien und Sperrholz für den Wohnungsbau, Automobilbau, Brückenübergänge, Schiffswerften, Werke für elektrische Geräte. Als vielversprechend gelten die folgenden Projekte: Erdgasverdichtungswerk, Mineraldüngemittelwerk, Gaschemiewerk.

Ferner macht das Vorhandensein eines großen Hafens und einer entwickelten Logistik die Region Primorje zum wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten von Russland. Verständlich ist deswegen, dass ca. ein Fünftel des Bruttoregionalproduktes in der Region auf Verkehrswirtschaft fällt. Zu den investitionsattraktiven Wirtschaftsbranchen mit Potential gehört auch der Tourismus. Die Entwicklung der Spielzone "Primorje" und der touristischen und freizeitorientierten Sonderwirtschaftszone auf der Insel Russki erregen die Aufmerksamkeit zahlreicher Urlauber.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Region Primorje, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Region Chabarowsk

Die Region Chabarowsk nimmt einen wichtigen Platz im Transportsystem des Fernen Ostens ein. Hier verlaufen die Transsibirische Eisenbahn und die Baikal-Amur-Magistrale, die Eisenbahnfähre Wanino-Cholmsk verbindet das Festland-Eisenbahnnetz mit der Insel Sachalin. Hier befindet sich auch der größte Flughafen im Fernen Osten. Verständlich ist, dass der Verkehrsbereich in der Struktur des Bruttoregionalproduktes in der Region einen führenden Platz (2013: 21%) einnimmt. Das Vorhandensein der Vorkommen von Zinn, Eisenerz, Quecksilber, Braun- und Steinkohle fördert die Entwicklung von Maschinenbau und Metallverarbeitung in der Region Chabarowsk. Es ist auch der Standort von Schiffbau- und Schiffsreparaturunternehmen. In der Region hat seinen Standort auch das größte russische Flugzeugbauunternehmen "Luftfahrzeugwerk in Komsomolsk-am-Amur namens Ju. A. Gagarin", das Zivil- und Kampfflugzeuge herstellt. In der Region Chabarowsk ist das im Föderationskreis Ferner Osten einzige Unternehmen tätig, das Kabel und Leitungen erzeugt.

Die Region Chabarowsk nimmt nach Holzgewinnung den ersten Platz unter den Regionen des Fernen Ostens und den dritten Platz russlandweit ein. Über die Hälfte des Produktionsvolumens wird nach China, Japan und Südkorea exportiert. In der Region befinden sich solche Holzverarbeitungsunternehmen, wie z. B. die Gesellschaften mit beschränkter Haftung ООО SP Arkaim" und ОООRimbunanHijaus sowie die offene Aktiengesellschaft OAO Istok.

Unter den erfolgreichen Investitionsprojekten der letzten Jahre können das Bergbau- und Aufbereitungskombinat am Golderzvorkommen, das Ölgaswerk, das Holzfaserplattenwerk eines malaysischen Unternehmens, sowie das Ölexportterminal einer amerikanischen Organisation genannt werden. Die Region Chabarowsk ist ein Industrie- und Verwaltungszentrum des Fernen Ostens mit einer entwickelten Infrastruktur und sämtlichen Verkehrsarten.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Region Chabarowsk, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Oblast Amur

In der Oblast Amur prägen die Vorkommen von Gold, Eisen, Titan, Stein- und Braunkohle die Herausbildung des Bergbaus, ein hohes Wasserkraftpotenzial hat auch zur Entwicklung des Brennstoff- und Energiesektors der Region beigetragen. Diese Region ist durch die energetische Redundanz charakterisiert, hier befinden sich die Wasserkraftwerke Seja und Bureja sowie das Wärmekraftwerk Raitschichinsk. Somit befriedigt die Energiewirtschaft der Region den einheimischen Energiebedarf und übt einen positiven Einfluss auf die Infrastruktur angesichts der Errichtung energieintensiver Industrieunternehmen in der Region aus. In der Oblast Amur werden auch Metallerzeugnisse (Strommäste, Gussteile), Betonfertigteile hergestellt.

Durch die Region verlaufen die Transsibirische Eisenbahn und eine Strecke der Fernost-Eisenbahn (Baikal-Amur-Magistrale), die durch die Region Chabarowsk hin zu den Häfen von Wanino und SowetskajaGawan führt. Eine günstige Verkehrslage und geographische Lage der Region Amur sind durch eine gemeinsame Grenze mit China entlang des Amur geprägt.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Oblast Amur, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Oblast Magadan

Die Oblast Magadan belegt führende Positionen in Gold- und Silbergewinnung in Russland. 2014 hat die Region den ersten Platz in Silbergewinnung innerhalb des Landes belegt. Die Gewinnung und Verarbeitung von Edelmetallen ist ein städtebildender Faktor und spielt eine wichtige Rolle (2013: 17%) in der Struktur des Bruttoregionalproduktes der Region. Das Vorhandensein der Vorkommen von Braun- und Steinkohle bildet die Grundlage des Brennstoff- und Energiesektors der Oblast. Wie in den meisten Regionen des Föderationskreises Ferner Osten sind hier die Fischerei und Fischverarbeitung entwickelt.

Man plant, am Kontinentalschelf in der Oblast Magadan Erdöl zu gewinnen. Die erste Explorationsbohrung ist im Rahmen des Projektes "Magadan-1" für das Jahr 2016 geplant.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Oblast Magadan, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Oblast Sachalin

Die Oblast Sachalin liegt auf den vom Japanischen Meer und vom Ochotskischen Meer umspülten Inseln und hat eine führende Position nach biologischen Meeresressourcen.

Trotz extremer Bedingungen der Erschließung der Naturressourcen in der Region ist in der Region die Kraftstoffindustrie gut entwickelt, deren Grundlage die Vorkommen von Steinkohle, Kesselkohle, Erdöl und Erdgas bilden. Die Gewinnung mineralischer Rohstoffe liefert über 60% des Bruttoregionalproduktes der Oblast Sachalin und ist somit der wichtigste Förderfaktor des Wirtschaftswachstums in der Region. Jedes Jahr erhöht sich die Erdölproduktion in den Vorkommen der Projekte "Sachalin-1" und "Sachalin-2". Die Unternehmen mit dem Standort in der Oblast Sachalin exportieren verflüssigtes Erdgas nach Japan, Südkorea, China, Thailand und Mexiko.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Oblast Sachalin, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Jüdische Autonome Oblast

Die Aussichten für die Entwicklung von Maschinenbau, Metallverarbeitung und Baustoffindustrie in der Jüdischen Autonomen Oblast sind durch das Vorhandensein der Naturressourcen wie Polymetalle, Eisen, Mangan, Brucit, Magnesit, Dolomit, Zinn, Gold, Graphit, Talkum und Braunkohle bedingt.

Die Jüdische Autonome Oblast verfügt über ein hohes Potenzial in Sachen der Entwicklung des Gesundheitstourismus dank zahlreichen Mineralwasserquellen wie Kuldurski, Starikovski, Nishnetulowtschihinski, Werchnetulowtschihinski, Wentselevski und Birski. Die Kartsthöhlen in der Region heißen Glubokaja, Passetschnaja, Korridornaja, Ledowaja u. a.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Jüdische Autonome Oblast, in Prozent (%)

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Autonomer Kreis der Tschuktschen

Die wichtigsten Industriezweige sind im Autonomen Kreis der Tschuktschen Bergbau und Nahrungsmittelindustrie. Hier sind die Vorkommen vom Gold (ca. 10% der Goldvorkommen Russlands), Silber, Zinn, Wolfram, Stein- und Braunkohle, Erdgas vorhanden.

Die geografische Lage dieses Föderationssubjekt sowie seine Nähe zur Ostsibirischen See, zur Tschuktschensee und zur Beringsee haben zur Herausbildung der Fischindustrie beigetragen. Die Flüsse von Tschukotka (Welikaja, Anadyr, Anadyrski Liman und andere) sowie die Tschaunbucht und die Kresta-Bucht sind reich an Nutzfisch, darunter an Reliktfischen.

Struktur des Bruttoregionalproduktes (2013) und der Grundkapitalinvestitionen (2014) nach Tätigkeitsarten, Autonomer Kreis der Tschuktschen, in Prozent

Quelle: Föderaler Dienst für Staatliche Statistik

Daraus kann das Fazit gezogen werden, dass der Föderationskreis Ferner Osten über ein hohes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung dank der Entwicklung der Industriezweige vor dem Hintergrund der vorteilhaften geographischen Lage der Region und des Vorhandenseinsder Naturressourcen verfügt.